Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus und Albertinen-Stiftung

Fachwissen für Patienten in Afrika: Arzt aus Sierra Leone hospitiert in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie - Wirbelsäulenchirurgie

Auf Einladung von Chefarzt Dr. med. Olaf Pingen hospitiert der junge afrikanische Arzt Dr. med. Baimba Rogers sechs Monate lang in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie – Wirbelsäulenchirurgie des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses. Er soll so die Möglichkeit erhalten, Wissen und Erfahrungen in diesem Spezialgebiet zu erlangen, für das es in seiner Heimat keine Fachärzte gibt. Sein Aufenthalt wird vom Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus und von der Albertinen-Stiftung finanziell unterstützt

Sierra Leone, Republik in Westafrika, ist eines der ärmsten Länder der Erde – und die Heimat von Dr. med. Baimba Rogers (33), ‚Junior Doctor’ am staatlichen Connaught Hospital in der Hauptstadt Freetown. Auf Einladung von Chefarzt Dr. med. Olaf Pingen hospitiert der junge afrikanische Arzt sechs Monate lang in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie – Wirbelsäulenchirurgie des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses in Hamburg-Volksdorf. Er soll so die Möglichkeit erhalten, Wissen und Erfahrungen in diesem Spezialgebiet zu erlangen, für das es in seiner Heimat keine Fachärzte gibt. Sein Aufenthalt wird vom Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus und von der Albertinen-Stiftung finanziell unterstützt.

Im Rahmen seiner Hospitation nimmt Dr. Rogers beobachtend an Operationen teil, erhält dabei direkt am Operationstisch detaillierte Informationen zu den OP-Techniken und Indikationen. „Über viele der Operationsmethoden habe ich bislang nur in der Fachliteratur gelesen. Nun bin ich direkt dabei und sehe, wie sie hier von Dr. Pingen täglich durchgeführt werden. Das ist fantastisch!“ so Dr. Rogers begeistert. Auch bei den täglichen Visiten begleitet er Dr. Pingen. Der junge Arzt hat an der Universität von Sierra Leone studiert. „Die medizinische Ausbildung am dortigen College of Medicine and Allied Health Sciences (COMAHS) sieht keine Spezialisierung vor“, erklärt er.

Dr. Rogers ist einer von viel zu wenigen Ärzten in Sierra Leone. Das Land zwischen Guinea und Liberia direkt am Atlantik gelegen ist noch immer gezeichnet vom Bürgerkrieg, der von 1991 bis 2002 mit unerbittlicher Grausamkeit geführt wurde. Auch wenn der Aufbau mit internationaler Unterstützung voranschreitet, ist die Infrastruktur auch heute noch weitgehend zerstört. Nicht einmal jeder zweite der ca. 5,7 Millionen Einwohner hat Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Kindersterblichkeitsrate ist eine der höchsten der Welt.

Doch es herrscht nicht nur ein Mangel an Ärzten und Pflegepersonal, es fehlt auch an medizinischer und medizintechnischer Ausstattung. „Es gibt kein Röntgengerät im Operationssaal, es sind oft keine Nägel vorhanden oder keine Platten und so gut wie keine Endoprothesen“, berichtet Dr. Rogers über die Situation in Sierra Leone.

Die Hospitation ist nicht zuletzt auf eine Initiative von Dr. M. L. Baryoh, Leiter des Connaught Hospitals und des COMAHS, zurückzuführen. Der Orthopäde, der in Münster Medizin studiert hat, suchte bei Kollegen in Europa Hilfe für Patienten mit Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule, die er selbst nicht operieren konnte. Bereits mehrfach sind Ärzte-Teams nach Sierra Leone gereist, die eigenen Instrumente und Medikamente im Gepäck, um Patienten kostenlos zu operieren. Dr. Zsolt Fekete, ein Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie in Bremen und Kollege von Dr. Pingen, wurde dabei auf die ‚Junior Doctors’ Dr. Rogers und Dr. James aufmerksam, die die Patienten für seine Operationen vorbereitet hatten. „Die afrikanischen Ärzte arbeiten hart. Sie leisten viel mit den wenigen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen“, berichtet Dr. Pingen. Es entstand die Idee, die beiden Ärzte über eine Hospitation in Deutschland zu schulen. Spontan stimmte Dr. Pingen der Anfrage seines Kollegen Dr. Fekete zu: „Ich wollte immer auch gerade dort helfen, wo Menschen so dringend der Hilfe bedürfen, nun habe ich die Möglichkeit dazu bekommen.“

Bis zur Ankunft des Hospitanten war es dann aber noch ein langer und auch langwieriger Weg. Über ein Jahr hat es gedauert, bis alle notwendigen Formalitäten erledigt waren. Am 18. Juni ist Dr. Rogers in Deutschland eingetroffen – und kurz zuvor noch Vater einer Tochter geworden. Für ihn ist es der zweite Aufenthalt in Deutschland: Auch sein Vater, ein Chirurg, hat in Deutschland Medizin studiert und der älteste Sohn wurde 1979 in Erlangen geboren. 1984 ging die Familie zurück nach Sierra Leone.

„In einem ersten Schritt soll durch die Hospitationen eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung auf dem Sektor Unfallchirurgie, Orthopädie – Wirbelsäulenchirurgie erreicht werden“, erläutert Dr. Pingen. In einem zweiten Schritt sind für ihn auch Einsätze in Sierra Leone vorstellbar, um direkt vor Ort Fachwissen an die Ärzte zu vermitteln. Für dieses Projekt sucht der Chefarzt des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses jetzt die Unterstützung von Spendern und Sponsoren.

„Ich bin froh und dankbar, dass wir nicht nur Menschen hier in unserer unmittelbaren Umgebung Hilfe geben können, sondern dass wir zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung beitragen können in einem Land, das unsere Hilfe dringend braucht. Mit Dr. Rogers ist dieser weit entfernte Teil der Welt ein Stück näher gerückt“, so Hans-Peter Beuthien, Geschäftsführer des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses. Und Albrecht Kasper, Geschäftsführer der Albertinen-Stiftung, ergänzt: „Die Albertinen-Stiftung unterstützt verschiedene Projekte, die „Hilfe zur Selbsthilfe“ anbieten. Darum fördern wir die Initiative von Dr. Pingen und die Hospitation von Dr. Rogers sehr gerne.“

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Das Albertinen-Diakoniewerk e.V. wurde 1907 von der Oberin Albertine Assor gegründet und ist heute der größte diakonische Krankenhausträger in Hamburg.

Es betreibt in der Albertinen-Gruppe das Albertinen-Krankenhaus und das Albertinen-Haus – Zentrum für Geriatrie und Gerontologie in Hamburg-Schnelsen, das Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus, die Residenz am Wiesenkamp, das Feierabendhaus sowie das Diakonie-Hospiz Volksdorf in Hamburg-Volksdorf.

In den Kliniken der Albertinen-Gruppe werden jährlich über 80.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Rund 1000 stationäre Krankenhausbetten und 64 teilstationäre Plätze sowie 24 Plätze in der ambulanten geriatrischen Rehabilitation werden vorgehalten. Darüber hinaus stehen 40 Plätze für die gezielte Betreuung demenzkranker Menschen (Max Herz-Haus), 16 Hospizplätze, 183 Plätze in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie 349 Wohneinheiten in Seniorenwohnanlagen zur Verfügung.

Zur Albertinen-Gruppe gehören auch ein Blutspendedienst, die Albertinen-Schule als zentrale Ausbildungsstätte für die Generalisierte Pflegeausbildung und den dualen Studiengang Pflege (in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg) mit 144 Plätzen, zwei ambulante Pflegedienste, eine Akademie für Fort- und Weiterbildung, zwei Kindertagesstätten mit insgesamt 214 Plätzen sowie weitere Einrichtungen für Patienten und Mitarbeiter. Gewerbliche Betriebe innerhalb der Albertinen-Gruppe sind unter anderem die Albertinen-Services GmbH und die Albertinen-Zentrale Dienste GmbH.

Die Albertinen-Stiftung fördert die Arbeit des Albertinen-Diakoniewerks und unterstützt humanitäre und soziale Projekte.

Die rund 3.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Albertinen-Gruppe erwirtschaften einen Gesamtumsatz von rund 200 Mio. Euro.